
In der Gegend um Lucca gibt es über 300 historische Villen und Gärten. Das ist kein Zufall – die reichen Luccheser Kaufmannsfamilien und Bankiers des 16. bis 18. Jahrhunderts bauten sich im Umland ihre Sommerresidenzen, wetteiferten mit prachtvollen Gärten und hinterliessen damit eines der dichtesten Villengebiete Italiens.
Die meisten dieser Anlagen sind bis heute in Privatbesitz. Einige jedoch öffnen ihre Tore für Besucher – und genau diese sind es, die man gesehen haben sollte. Alle sechs Villen in dieser Liste liegen im Radius von 10 bis 20 km um Lucca und lassen sich bequem per Fahrrad oder Mietwagen erkunden.
Wichtig: Öffnungszeiten immer vorab prüfen – da es sich um Privatbesitz handelt, können diese kurzfristig variieren.
Die Villa Torrigiani in Camigliano ist eine der prächtigsten Barockvillen der Toskana – und zugleich eine der wenigen die noch heute von der ursprünglichen Familie bewohnt wird. Die Villa entstand im 16. Jahrhundert und wurde im 17. Jahrhundert für den Marchese Nicolao Santini, den Botschafter Luccas am Hof Ludwigs XIV. in Paris, aufwändig umgebaut und mit einem spektakulären Barockgarten ausgestattet.
Das Herzstück der Anlage ist der Barockgarten mit historischen Wasserspielen – sogenannte „giochi d'acqua“, die Besucher seit Jahrhunderten überraschen und erfreuen. Symmetrische Heckenlabyrinthe, eine prachtvolle Hauptfassade mit Nymphen und Götterstatuen und ein englischer Landschaftspark ergänzen die Anlage. Der Park ist einer der am besten erhaltenen Barockgärten Italiens.
Die Villa Mansi in Segromigno in Monte gehört zu den elegantesten Landvillen der Provinz Lucca. Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach umgebaut – zuletzt 1742 von Filippo Juvara, dem Architekten des Turiner Königshauses, der der Fassade ihr heutiges barockes Gesicht gab.
Besonders bemerkenswert ist der weitläufige Parkwald rund um die Villa – ein ehemaliger Jagdpark aus dem 17. Jahrhundert mit alten Eichen, Kastanien und Zypressen. Der formale Garten mit Buchsbaumhecken und Wasserbecken auf der Südseite der Villa ist eines der schönsten Beispiele der luccheser Gartenkunst. Innen sind die Prunkräume mit historischen Möbeln, Fresken und Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestattet.
Die Villa Reale di Marlia ist wohl die geschichtsreichste aller Luccheser Villen – und das hat vor allem mit einer Frau zu tun: Elisa Bonaparte, der Schwester Napoleons und Fürstin von Lucca, kaufte die Villa 1806 und liess sie zu einer der prächtigsten Residenzen der Toskana ausbauen. Sie empfing hier Paganini, liess Theaterstücke aufführen und regierte von hier aus ihr kleines Fürstentum.
Die Gartenanlage ist einzigartig in der Region: Grüne Theater aus kunstvoll geschnittenen Hecken – sogenannte „teatri di verzura“ – sind die berühmtesten Elemente des Parks. Dazu kommen ein Zitronnengarten, ein Seerosenteich, eine Kaskade und weitläufige Rasenflächen im englischen Stil. Der Park gilt als einer der bedeutendsten historischen Gärten Italiens.
Nach Elisas Abreise wechselte die Villa mehrfach den Besitzer und gehört heute der Familie Pecci-Blunt. Führungen durch Park und Innenräume sind von März bis November möglich.
Die Villa Garzoni in Collodi ist für ihren spektakulären Terrassengarten bekannt – einem der kühnsten und eindrucksvollsten Barockgärten Italiens. Der Garten wurde im 17. Jahrhundert von der Familie Garzoni angelegt und steigt stufenförmig den steilen Hang hinter der Villa hinauf: Terrassenanlagen, geschwungene Treppenläufe, Skulpturen, Fontänen, Wasserkaskaden und kunstvolle Hecken ergeben ein Gesamtbild von aussergewöhnlicher Dramatik.
Das Besondere an Collodi: Direkt neben der Villa Garzoni liegt der Parco di Pinocchio – denn in Collodi lebte Carlo Lorenzini, der unter dem Pseudonym Carlo Collodi den berühmten Holzpuppenroman schrieb. Ein Besuch beider Anlagen an einem Tag ist naheliegend und lohnenswert – ideal auch für Familien mit Kindern.
Die Villa selbst ist weniger zugänglich als der Garten, der jedoch für sich allein schon den Ausflug nach Collodi rechtfertigt.
Die Villa Grabau in San Pancrazio ist eine der zugänglichsten und am besten erhaltenen Villen des Luccheser Umlands. Die Villa entstand im frühen 19. Jahrhundert und gelangte 1850 in den Besitz der deutschen Kaufmannsfamilie Grabau, die ihr bis heute den Namen gibt. Die Familie liess den Park zu einem 9 Hektar grossen Garten ausbauen – dem grössten begehbaren Villengarten der Provinz Lucca.
Das Herzstück ist die historische Limonaia aus dem 19. Jahrhundert – ein elegantes Wintergartengebäude das eine der bedeutendsten Zitrussammlungen der Toskana beherbergt: über 300 Topfpflanzen mit Zitronen, Orangen, Bergamotten, Zedern und seltenen Sorten. Im Sommer stehen die Töpfe in langen Reihen vor der Limonaia im Freien – ein aussergewöhnliches Bild. Der Park selbst vereint englischen Landschaftsgarten und italienischen Formalgarten auf aussergewöhnlichem Niveau.
Die Villa Oliva – auch Villa Buonvisi genannt – ist eine der ältesten Renaissancevillen der Region. Sie geht auf das 15. Jahrhundert zurück und gehörte jahrhundertelang der Familie Buonvisi, einer der mächtigsten Bankiersdynastien Luccas. Die Villa erlangte historischen Ruhm als Papst Clemens VIII. sie 1600 auf seiner Reise nach Lucca besuchte – ein Ereignis das die Familie stolz in Inschriften und Fresken verewigte.
Der Renaissancegarten aus dem 15. und 16. Jahrhundert ist einer der am besten erhaltenen seiner Epoche in der Provinz Lucca. Formale Heckenrabatten, Steintreppen und Skulpturen rahmen die Villa ein. Matteo Civitali, der bedeutendste Bildhauer Luccas des 15. Jahrhunderts, soll an der Gartenanlage beteiligt gewesen sein. Direkt nebenan liegt die Villa Grabau – beide Villen in San Pancrazio lassen sich ideal an einem halben Tag kombinieren.
Ab Lucca · ca. 40–50 km · flaches Terrain · ganzer Tag
Das Luccheser Villengebiet ist ideal für eine Fahrradtour – das Terrain zwischen Lucca und Capannori ist weitgehend flach, die Strassen durch die Olivenhaine und Weingärten sind ruhig und gut befahrbar. Wer früh startet kann alle sechs Villen an einem langen Tag erkunden.
🗺 Empfohlene Route ab Lucca:
Start: Lucca Stadtmauer (Fahrradverleih)
Fahrradverleih direkt an der Stadtmauer – Citybikes und Tourenräder verfügbar
Villa Reale di Marlia – 7 km · ca. 25 min
Erste Station: Park mit grünen Theatern – morgens am ruhigsten
Villa Mansi – +4 km · Segromigno
Jagdpark und Barockgarten – ruhige Strassen durch Olivenhaine
Villa Torrigiani – +3 km · Camigliano
Barockgarten mit Wasserspielen – Mittagspause in Camigliano empfohlen
Villa Grabau + Villa Oliva – +5 km · San Pancrazio
Beide Villen sind Direktnachbarn – ideal als Doppelstation am Nachmittag
Rückfahrt nach Lucca – ca. 10 km
Abendessen in Lucca – Piazza Anfiteatro oder Altstadt empfohlen
Gesamtstrecke: ca. 40–50 km · Schwierigkeit: leicht (flaches Terrain) · Dauer: ganzer Tag (8–10 Stunden mit Besichtigungen) · Villa Garzoni in Collodi liegt etwas ausserhalb der Route (15 km) – ideal für einen separaten Halbtag oder mit dem Mietwagen kombinierbar
Tipp für die Vorbereitung: Tickets für die einzelnen Villen wenn möglich im Voraus buchen oder zumindest telefonisch bestätigen – besonders für Villa Reale di Marlia und Villa Torrigiani sind Führungszeiten begrenzt. Wer lieber mit dem Auto fährt: alle 6 Villen haben Parkplätze direkt am Eingang.
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