
Im äußersten Süden der Toskana, nahe der Grenze zu Latium, liegt Capalbio – ein Ort, der Gegensätze in bemerkenswerter Ruhe vereint. Hoch oben auf einem Hügel thront der mittelalterliche Borgo mit Blick über Olivenhaine, Macchia-Landschaften und die weite Ebene der Maremma, während nur wenige Kilometer entfernt das Tyrrhenische Meer die Küste prägt. Capalbio wirkt dabei weder abgeschieden noch touristisch überformt. Vielmehr entfaltet der Ort eine stille Eleganz, die sich aus Geschichte, Landschaft und Maßstab speist.
Das historische Zentrum ist kompakt, von Mauern umschlossen und klar strukturiert. Enge Gassen, Natursteinfassaden und kleine Plätze bestimmen das Bild. Wer durch Capalbio geht, erlebt einen Ort, der sich seiner Identität bewusst ist und dennoch offen wirkt. Künstler, Intellektuelle und Individualreisende schätzen Capalbio seit Jahrzehnten als Rückzugsort, nicht zuletzt wegen der Nähe zur Natur und der vergleichsweise geringen Besucherzahlen.
Capalbio steht exemplarisch für eine weniger bekannte Seite der Toskana. Hier dominieren Weite statt Dichte, Landschaft statt Monumentalität und ein Lebensrhythmus, der sich deutlich von den nördlicher gelegenen Zentren unterscheidet. Genau diese Zurückhaltung macht Capalbio zu einem Ziel für Reisende, die Authentizität und Ruhe suchen.
Die Geschichte Capalbios reicht bis in etruskische und römische Zeiten zurück, auch wenn der heutige Ortskern mittelalterlichen Ursprungs ist. Strategisch günstig gelegen, kontrollierte Capalbio über Jahrhunderte hinweg den Zugang zwischen Küstenebene und Hinterland. Im Mittelalter stand der Ort zeitweise unter sienesischem Einfluss, später unter der Herrschaft der Aldobrandeschi, einer der mächtigsten Familien der südlichen Toskana.
Die Stadtmauer, deren heutige Gestalt überwiegend aus dem 13. Jahrhundert stammt, belegt die einstige militärische Bedeutung. Nach dem Niedergang der feudalen Strukturen verlor Capalbio an politischer Relevanz, bewahrte jedoch seine bauliche Integrität. Im 20. Jahrhundert entdeckten Künstler und Kulturschaffende den Ort neu, was zu einer behutsamen Wiederbelebung führte, ohne das historische Gefüge zu verändern.
Capalbio ist ein klassisches Beispiel für einen toskanischen Höhenort. Der geschlossene Mauerring umschließt ein nahezu unverändertes Stadtbild mit Natursteinbauten, kleinen Loggien und wenigen repräsentativen Palazzi. Dominant wirkt die Rocca Aldobrandesca, die über dem Ort thront und den Blick in alle Richtungen öffnet.
Landschaftlich liegt Capalbio in der Maremma, einer Region, die lange als unwirtlich galt und erst im 20. Jahrhundert systematisch kultiviert wurde. Heute prägen Olivenhaine, Weinberge, Weideflächen und Naturschutzgebiete das Umland. Die Nähe zur Küste erweitert das Spektrum um Dünenlandschaften und naturbelassene Strände.
Altstadt und Stadtmauer
Der vollständig erhaltene Mauerring erlaubt einen Rundgang mit weiten Blicken über die Maremma bis zum Meer. Der Zugang ist frei, besonders eindrucksvoll wirkt der Rundweg in den frühen Abendstunden.
Rocca Aldobrandesca
Die Festung bildet den höchsten Punkt des Ortes. Heute dient sie kulturellen Zwecken, bietet jedoch auch als Aussichtspunkt einen Überblick über Landschaft und Küstenebene. Öffnungszeiten variieren saisonal (Stand: 2026).
Chiesa di San Nicola
Die Pfarrkirche im Zentrum Capalbios zeigt schlichte romanische Strukturen und mehrere Kunstwerke aus regionaler Produktion. Der Innenraum wirkt zurückhaltend und fügt sich harmonisch in das Ortsbild ein.
Oratorio della Provvidenza
Diese kleine Kapelle überrascht mit farbintensiven Fresken, die einen starken Kontrast zur äußeren Schlichtheit bilden. Der Besuch erfordert meist eine vorherige Anfrage.
Capalbio Scalo
Der Ortsteil in der Ebene dient als praktischer Anlaufpunkt mit Bahnhof, Geschäften und direktem Zugang zur Küste. Der Kontrast zum historischen Borgo ist deutlich, aber funktional.
Strände von Capalbio
Die Küste ist geprägt von langen, naturbelassenen Sandstränden. Abschnitte sind frei zugänglich, andere bieten einfache Strandservices ohne großflächige Bebauung.
Capalbio liegt in der Provinz Grosseto und ist über die SS1 Aurelia erreichbar. Der Bahnhof Capalbio Scalo liegt an der Bahnlinie Pisa–Rom. Parkplätze befinden sich unterhalb der Altstadt. Das historische Zentrum ist autofrei und vollständig fußläufig. Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten variieren saisonal, Eintrittspreise bewegen sich meist im moderaten Bereich (Stand: 2026).
Die Lage von Capalbio macht den Ort zu einem idealen Ausgangspunkt für sehr unterschiedliche Erlebnisse. Innerhalb kurzer Fahrzeiten lassen sich Küstenlandschaften, etruskische Kulturstätten, Thermalquellen und weitläufige Naturschutzgebiete erreichen. Die Umgebung bleibt dabei deutlich weniger überlaufen als viele Regionen der nördlichen Toskana.
Monte Argentario – Küstenlandschaft mit Weitblick
Rund 35 Kilometer nordwestlich erhebt sich der Monte Argentario, eine felsige Halbinsel mit steilen Küsten, kleinen Buchten und Panoramastraßen. Orte wie Porto Ercole und Porto Santo Stefano verbinden maritimes Flair mit historischer Substanz. Besonders reizvoll sind die Küstenstraßen, die immer wieder Ausblicke auf das Tyrrhenische Meer eröffnen. Monte Argentario eignet sich sowohl für Badeaufenthalte als auch für landschaftlich geprägte Tagesausflüge.
Giardino dei Tarocchi – Monumentale Kunst in der Landschaft
Nur etwa 6 Kilometer südlich von Capalbio befindet sich der Giardino dei Tarocchi, eines der außergewöhnlichsten Kunstprojekte Italiens. Die von Niki de Saint Phalle geschaffenen Großskulpturen orientieren sich an Tarotkarten und sind begehbar. Der Garten verbindet Kunst, Architektur und Landschaft zu einem intensiven Erlebnis, das sich deutlich von klassischen Museen unterscheidet. Für den Besuch sollte ausreichend Zeit eingeplant werden.
Tarquinia – Etruskisches Erbe und mittelalterliche Stadt
Etwa 25 Kilometer südöstlich, bereits in Latium, liegt Tarquinia. Der Ort ist bekannt für seine etruskischen Nekropolen, die zum UNESCO-Welterbe zählen. Die reich bemalten Grabkammern geben seltene Einblicke in die Kultur der Etrusker. Ergänzt wird der Besuch durch eine kompakte mittelalterliche Altstadt mit Museen und Aussichtspunkten über die Küstenebene.
Parco Naturale della Maremma – Ursprüngliche Natur
Rund 40 Kilometer nordwestlich erstreckt sich der Parco Naturale della Maremma, eines der größten Naturschutzgebiete der Region. Küstenabschnitte, Pinienwälder, Feuchtgebiete und Hügel wechseln sich ab. Der Park bietet markierte Wanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit. Besonders Naturbeobachter und ruhesuchende Reisende finden hier einen starken Kontrast zum kultivierten Umland.
Saturnia – Thermalquellen in offener Landschaft
Etwa 45 Kilometer nordöstlich liegt Saturnia, bekannt für seine frei zugänglichen Thermalquellen. Das warme, mineralhaltige Wasser fließt kaskadenartig durch Kalkbecken und ist ganzjährig nutzbar. Ein Besuch lässt sich gut mit Capalbio kombinieren, insbesondere in den Übergangsmonaten Frühjahr und Herbst.
Orbetello und die Lagune
Die Lagunenstadt Orbetello liegt rund 30 Kilometer entfernt und ist über einen Damm mit dem Festland verbunden. Die Lagune ist ein bedeutendes Vogelschutzgebiet und prägt das Stadtbild ebenso wie die historische Altstadt. Spaziergänge entlang der Uferpromenade und Besuche kleiner Museen ergänzen das Naturerlebnis.
Pescia Fiorentina – Ländliche Maremma im Kleinen
Nur etwa 8 Kilometer von Capalbio entfernt liegt Pescia Fiorentina, ein kleiner Ort mit landwirtschaftlicher Prägung. Weinbau, Olivenhaine und weite Felder bestimmen das Bild. Der Ort eignet sich für kurze Abstecher, um die weniger touristische Seite der Region kennenzulernen.
Strände von Capalbio und Ansedonia
Die Küste bei Capalbio zeichnet sich durch lange, naturbelassene Sandstrände aus. Abschnitte wie Macchiatonda oder die Strände bei Ansedonia sind nur spärlich erschlossen und bewahren dadurch einen ursprünglichen Charakter. Sie lassen sich in wenigen Minuten mit dem Auto erreichen und eignen sich besonders für ruhige Badetage abseits großer Badeorte.
Capalbio eignet sich in besonderer Weise für Reisende, die Wert auf Ruhe, landschaftliche Weite und ein gewachsenes Umfeld legen. Die Unterkünfte verteilen sich bewusst zwischen dem historischen Borgo, der offenen Ebene der Maremma und der Küstennähe. Dadurch entstehen unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten: zentral und kompakt im Ort, zurückgezogen im Hinterland oder strandnah mit direktem Naturbezug.
Locanda Rossa
Etwas außerhalb des historischen Zentrums, zwischen Olivenhainen und offenen Feldern, liegt die Locanda Rossa. Das Boutique-Hotel verbindet zeitgenössisches Design mit klarer, toskanischer Linienführung und richtet sich an Reisende, die bewusst Abstand vom klassischen Hotelbetrieb suchen. Die Anlage ist großzügig angelegt, wodurch trotz guter Auslastung ein ruhiges Gesamtbild entsteht. Durch die Lage lassen sich sowohl der Borgo Capalbio als auch die Strände der Küste unkompliziert erreichen.
Kategorie: Boutique-Hotel
Adresse: Strada Capalbio Pescia Fiorentina, 58011 Capalbio (GR)
Buchbar über: Booking.com
Il Pellicano
Auch wenn nicht direkt in Capalbio gelegen, spielt Il Pellicano für anspruchsvolle Reisende eine relevante Rolle. Das traditionsreiche Luxushotel befindet sich bei Porto Ercole und bietet einen deutlich maritimen Akzent zum Aufenthalt in Capalbio. Gäste kombinieren hier häufig die Ruhe des Borgo mit einigen Nächten an der Küste. Großzügige Außenbereiche, Meerblick und ein hoher Servicestandard prägen das Haus.
Kategorie: 5-Sterne-Hotel
Adresse: Località Sbarcatello, 58018 Porto Ercole (GR)
Buchbar über: Booking.com, TUI
Valle del Buttero
Nahe Capalbio Scalo gelegen, richtet sich diese Unterkunft an Reisende, die eine praktische Lage zwischen Bahnanschluss, Küste und historischem Ort bevorzugen. Die Atmosphäre ist sachlich und funktional, was das Hotel besonders für kürzere Aufenthalte oder Zwischenstopps interessant macht. Die Nähe zu Naturstränden und Verkehrswegen ermöglicht flexible Tagesgestaltung.
Kategorie: 3-Sterne-Hotel
Adresse: Via Aurelia Sud, 58011 Capalbio Scalo (GR)
Buchbar über: Booking.com
Capalbio verbindet mittelalterliche Struktur, zeitgenössische Kunst und ursprüngliche Landschaft auf selten ausgewogene Weise. Der Ort eignet sich sowohl als eigenständiges Reiseziel als auch als ruhige Basis zwischen Küste und Hinterland. Wer Capalbio besucht, erlebt eine Toskana abseits der bekannten Routen.
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